Schön, dass du dich für eine griechische Landschildkröte interessierst. Auf diesem Weg möchte ich dir einige wichtige Informationen mit auf dem Weg geben.
Griechische Landschildkröten stehen streng unter Artenschutz. Das heißt, man bekommt beim Erwerb eine sogenannte EU-Bescheinigung mit aktueller Fotodokumentation übergeben. Die Tiere sind
meldepflichtig und müssen beim Kreis (Umweltamt SG Artenschutz und Landwirtschaft) angemeldet werden. Die Fotodokumentation muss regelmäßig (mindestens jährlich mit vorgegebenem Raster) erneuert
werden, da die Tiere sich in Form und Größe noch verändern. Damit man immer nachweisen kann, dass das eigene Tier auch zu der entsprechenden EU-Bescheinigung gehört, muss diese regelmäßig erneuert
werden (wie häufig – bitte beim eigenen Kreis erfragen, das variiert). Ansonsten verliert die EU-Bescheinigung irgendwann ihre Gültigkeit und man kann das Tier nicht oder nur erschwert
weitervermitteln, sollte es notwendig werden.
Ernährung
Schildkröten lieben eine abwechslungsreiche Ernährung. Sie sind Herbivoren, das heißt, sie benötigen ausschließlich pflanzliche Kost, die rohfaserreich und energiearm ist, wie z.B. Wildkräuter,
Gräser und Blüten. Dazu gehören Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich, Brennnessel, Klee, Giersch, Malven, Labkraut, Disteln, Hibiskus Blätter und Blüten, Taubnesseln, Mohn, Luzerne, Wiesenknopf,
Hirtentäschel, Schafgarbe, Erdbeerblätter, Nachtkerze, Kornblume, Pimpinelle, Glockenblume … Für die Erkennung geeigneter Futterpflanzen kann eine sogenannte Pflanzenbestimmungsapp nützlich sein,
z.B. „Plantnet“. Einfach Foto von der Pflanze in der App machen und es wird angezeigt, um welche Pflanze es sich wahrscheinlich handelt. Nun diese in die Internetsuchmaschine eingeben und erfragen,
ob sie zum Verzehr für Schildkröten geeignet ist.
Man kann notfalls auch mal Salat dazu füttern, wie z.B. Endivie, Feldsalat, Rucola, Lollo rosso oder Romanasalat. Eisbergsalat, Kopfsalat oder gar Chinakohl und PakChoi sind für Schildkröten
ungeeignet, zu wenig Fasern und Nährstoffe und die Letzten beiden sogar gefährlich - blähend.
Im natürlichen Habitat der Schildkröten ist der Boden sehr kalkhaltig und die Schildkröten nehmen Calcium über die Pflanzen auf. Hier bei uns ist es notwendig, dafür einen Ersatz - Sepiaschale (im
Ganzen, kein Pulver) – anzubieten. Da diese irgendwann mit Kot und Urin benetzt ist, muss sie regelmäßig ausgetauscht werden. Die Schildkröten knabbern nur selten daran, aber das reicht für den
Calciumbedarf völlig aus.
Haltungsbedingungen
* Innengehege für Frühjahr/Herbst
Für die kühleren Temperaturen im Herbst und Frühjahr kann man mit einem Innengehege arbeiten. Ganz wichtig! - Schildkröten brauchen UV-Licht, um Vitamine zu produzieren. Außerdem können sie ihre
Körpertemperatur selbst nicht regulieren, diese passt sich stets der Umgebung an. Deshalb müssen sie einen Sonnen-/ Wärmeplatz zur Verfügung haben und kühlere bzw. Schattenplätze, zwischen denen sie
nach Belieben wechseln können. Dafür empfehle ich z.B. die Lucky Reptile - Bright Sun Dessert UV 70W mit Vorschaltgerät und Keramikfassung. Diese Lampe gibt sowohl UV-Strahlen als auch Wärme ab. Die
Glühbirne der UV-Lampe sollte jährlich gewechselt werden, da die UV-Anteile trotz anscheinend noch intakter Lampe deutlich nachlassen und der Schildkröte nicht mehr ausreichen.
Es sollte mehrere Versteckmöglichkeiten und Pflanzen im Gehege vorhanden sein.
Der Boden sollte unterschiedlich strukturiert sein. Ich empfehle am Futterplatz und dem Sonnenplatz einen Lavamulch (Körnung 8 bis 16 mm), andere Plätze bzw. das restliche Gehege kann mit
Schildkrötenerde (z.B. von Floragard) bedeckt sein. Ungeeigneter Bodengrund sind sämtliche Rindenmulcharten und auch Sand. Der ist sehr scharfkantig, verletzt Augen und Schleimhäute und kann bei
versehentlichem Verzehr sogar zum Darmverschluss führen.
Man muss nicht unbedingt mit einem Inngehege arbeiten, sondern es gibt auch die Möglichkeit, mit einem „Frühbeet“, den Schildkröten den Aufenthalt im Garten zu ermöglichen, auch wenn es die
Außentemperaturen noch nicht zulassen (siehe unten „Außenhaltung/ Frühbeet“).
* Außengehege
Für das Außengehege sollte der sonnigste Platz im Garten gewählt werden. Schattenplätze darin werden durch die Pflanzung verschiedener Kräuter (z.B. Thymian oder Lavendel, die selbst nicht gefressen
werden) oder verschiedene am besten natürliche Unterschlupfmöglichkeiten erreicht. Auch andere ungiftige Gewächse bzw. Futterpflanzen, wie Löwenzahn Spitzwegerich, Breitwegerich, Vogelmiere Klee und
vieles vieles mehr kann man einsetzen.
Der Boden im Außengehegen sollte auch unterschiedlich strukturiert sein. Zum einen können Bereiche mit normalem Mutterboden, ggf. gemischt mit Schildkrötenerden, damit er lockerer wird, bedeckt sein,
andere Bereiche können steinig sein, auch gemischt mit ein paar Kalksteinen. Ebenso sind reichlich Versteckmöglichkeiten anzubieten
Für Jungtiere sollte das Gehege noch nicht so groß sein, so circa 1x2 Meter plus die Größe vom Frühbeet. Man sollte das Gehege von oben gegen Fressfeinde, wie zum Beispiel Krähen oder Dohlen, und von
unten mit einem Gitter gegen Ratten, Marder usw. schützen. Das Freigehege von adulten Schildkröten sollte dagegen deutlich größer sein, pro Tier braucht es ca. 10 m², bei 2 Tieren 20m² usw. Die
Ausstattung entspricht den oben genannten Empfehlungen und natürlich auch dem Frühbeet mit entsprechender Technik.
* Frühbeet
Für die Außenhaltung benötigt ihr für kühlere Temperaturen in der Nacht und v.a. für die Außenhaltung im Frühjahr und Herbst ein Frühbeet.
Bei Frühbeeten gibt es große Unterschiede. Achtet darauf, dass die umgebenden Platten (wie z.B. bei Beckmann oder Solius) unbedingt UV-durchlässig sind, wie die Doppelstegplatten (Alto-Stegplatten).
Sie haben auch eine gute Isolierstärke von 16 mm, die beim Einsatz von „Wärmetechnik“ zusätzliche Ersparnis im Stromverbrauch einbringen.
Dazu gehören zuerst eine Thermostat-Steckdose und ein Wärmestrahler (z.B. Par 38 Strahler 100 W) für tagsüber. So kann man die Temperatur an der Thermostatsteckdose einstellen (z.B. 20°C
Einschalttemperatur und 28°C Ausschalttemperatur) und die Lampe geht tagsüber an, wenn die Temperaturen unter 20° sinken und sie schaltet sich aus, wenn die Temperaturen über 28° steigen im
Frühbeet.
Ab abends und für Nachts sollte ein Heizlüfter an einer entsprechenden Thermostatsteckdose angebracht sein (z.B. mit Einschalttemperatur ab unter 12°C und Ausschalttemperatur ab 15°C). So braucht man
nicht unbedingt ein zusätzliches Innengehege.
Das Frühbeet sollte auf einen Sockel gesetzt werden von ca. 15cm Höhe. Dann kann man in diesem Sockel eine „Hühnerklappe“ einbauen, um die Tiere nachts einzuschließen und vor Fressfeinden zu
schützen. Außerdem steht das Frühbeet so etwas höher um ausreichend Abstand zum Wärmestrahler herzustellen.
Am Deckel des Frühbeets sollte unbedingt ein „automatischer Deckelöffner“ montiert werden, der durch einen Temperaturfühler den Deckel jeweils öffnet, wenn Temperaturen zu heiß werden im Sommer
(damit die Tiere nicht unbemerkt an Hitzschlag sterben!) und entsprechend schließt, wenn sich das Frühbeet sich wieder abgekühlt hat.
Überwintern
Ganz wichtig, zur Vorbereitung auf die Winterruhe sollte unbedingt bis ca. Mitte August eine Kotuntersuchung auf Parasiten (z.B. über den reptilienkundigen Tierarzt oder einer fachkundigen Person)
stattfinden. Sollte der Test positiv sein, müsst ihr eine „Wurmkur“ vor der Winterruhe machen, da die Schildkröte sonst an der Infektion versterben könnte. Der Stoffwechsel ist während der Winterruhe
stark heruntergefahren und die Schildkröte setzt für einige Monate keinen Stuhl ab. Die Parasiten könnten sich stark vermehren und so zur Blutvergiftung führen.
* Draußen Überwintern, im Frühbeet
Die Schildkröten können im Außengehege können auch im Frühbeet überwintern. Dazu braucht es entsprechende Vorbereitungen, damit der Winterschlaf sicher und ungestört abgehalten werden kann.
Es muss eine Grube in der Größe von ca. 60 cm Tiefe gegraben und rundherum in der Größe des Frühbeetes hochgemauert werden, ganz unten das Gitter gegen Fressfeinde am Boden nicht vergessen. Der
Bereich sollte locker mit Schildkrötenerde gefüllt und anschließend das Frühbeet aufgesetzt werden. So kann sich die Schildkröte sicher im Herbst vor Fressfeinden dort vergraben.
Als technische Voraussetzung braucht man dafür den Wärmelüfter. Der sollte auf Einschalttemperatur ab 3°C und Ausschalttemperatur 5°C eingestellt werden, damit im Winter kein Frost ins Frühbeet und
an die Schildkröte kommt. Das würde sie nicht überleben. Um zu starke Erwärmung durch Sonneneinstrahlung im Winter zu vermeiden, kann man eine Decke über das Frühbeet legen.
* Überwinterung im Kühlschrank
Ich empfehle, Jungtiere im Alter zwischen 1 und 5 Jahren „sicher“ im Kühlschrank zu überwintern. Dort wird die Temperatur auch über eine Thermostat-Steckdose mit Fühler im Kühlschrank überwacht
(zwischen 4-8°C). So kann man seine Tiere in den ersten Jahren beobachten und ggf. den Winterschlaf abbrechen, wenn es notwendig ist. Der Winterschlaf sollte in den ersten Jahren noch nicht so lang
sein wie bei adulten Tieren. Bei jungen Tieren genügen ca. 3 Monate, adulte Tiere dürfen ca. 4-5 Monate schlafen.
Schaut euch dazu gern mein YouTubeVideo an – „Schildkröten überwintern im Kühlschrank“. Dort erkläre ich euch noch einmal genau, wie ihr die Box und den Kühlschrank vorbereitet und die Schildkröten
dann sicher schlummern können.
Einzel- oder Gruppenhaltung?
Häufig wird die Frage gestellt, wie viel Tiere sollen es sein. Es ist natürlich immer schöner, mehrere Tiere zu beobachten, die sich um den Sonnenplatz streiten oder um das leckerste Kräutlein am
Futterplatz. Bei sehr jungen Tieren ist das alles auch noch kein Problem. Wenn die Tiere aber geschlechtsreif werden, verstehen sich 2 Männchen untereinander sehr oft nicht mehr, bekämpfen und
verletzen sich anhaltend und das unterlegene Männchen führt ein grausames Schildkrötenleben. Das Gehege müsste unter diesen Umständen geteilt werden. Ein einzelnes Weibchen und ein Männchen sind auch
eine schlechte Kombination. Das Männchen möchte sich andauernd über den gesamten Sommer paaren, was für das Weibchen sehr stressig ist, diese nicht zur Ruhe kommt und meist nicht lange überlebt. Ein
Männchen sollte mindestens mit 3 Weibchen gehalten werden.
Weibchen untereinander verstehen sich sehr gut, es können größere Gruppen ausschließlich Weibchen gehalten werden. Kleinere Machtgerangel kann es geben, im Sinne von gegenseitig besteigen oder
rammen, um die Rangfolge zu klären. Solches Verhalten beobachte ich oft auch kurz vor der Eiablage.
Bei Fragen könnt ihr euch jederzeit gern an mich wenden.
Euer Jürgen Janssen